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Photovoltaik reinigen: Wann lohnt es sich wirklich?

Regen wäscht Solarmodule nur zum Teil sauber. Ob sich eine Reinigung rechnet, hängt vor allem vom Standort ab: Auf einem steilen Wohnhausdach ist der Verlust oft gering, auf einem flach geneigten Stalldach kann er deutlich höher liegen. Hier lesen Sie, was Untersuchungen belegen, was Hersteller vorgeben und worauf es bei Methode und Sicherheit ankommt.

· 6 Min. Lesezeit

Gezeichnete Reinigungskraft reinigt auf einem Hallendach Solarmodule mit einer Bürste an einer Teleskopstange – links verschmutzte Modulreihen, vorn eine frisch gereinigte, nasse Reihe

Was Untersuchungen zum Ertragsverlust sagen

Belastbare Zahlen gibt es, aber sie streuen stark. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beziffert den Verlust durch Staub, Pollen, Vogelkot und Laub weltweit auf etwa 4 bis 7 Prozent. Für Deutschland rechnet das DLR im Durchschnitt mit rund 2 Prozent, weil Regen allein die Module nicht vollständig reinigt.

Ein Merkblatt der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hält auf Ställen Ertragsverluste von 10 bis 15 Prozent für möglich, bei extremer Verschmutzung bis zu 30 Prozent. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat auf einem Milchviehstall und einer Futterhalle gereinigte und ungereinigte Flächen verglichen. Dort brachte die Reinigung 5 bis 8 Prozent Mehrertrag.

Eine Studie an 17 Freiflächenanlagen in Deutschland zeigt, wie unterschiedlich das Ergebnis ausfällt. Bei etwa der Hälfte der Anlagen hielt der Mehrertrag über den ganzen Messzeitraum an. Bei anderen ließ die Wirkung wieder nach, bei einigen war gar keine messbar. Bei Anlagen mit weniger als 30 Grad Neigung brachte die Reinigung mehr, weil sie stärker verschmutzen. Bei einem kaum sichtbaren Staubfilm lohnt sich die Reinigung laut den Studienautoren eher wenig.

Wann Schmutz wirklich Ertrag kostet

Entscheidend ist nicht, wie schmutzig die Anlage aussieht, sondern wo der Schmutz liegt. Die Verbraucherzentrale weist in ihrem Ratgeber zu Steckersolargeräten darauf hin, dass schon die Verschattung weniger Prozent eines Moduls die Leistung um mehr als die Hälfte senken kann. Punktuelle, starke Verschmutzungen wie Vogelkot oder ein Blatt wiegen deshalb schwerer als ein leichter, gleichmäßiger Belag. Typische Problemfälle:

  • Flache Neigung: Je flacher die Module liegen, desto schlechter spült der Regen. Unter 15 Grad läuft Regenwasser laut dem Ratgeber eines Energieversorgers schlechter ab.
  • Die untere Rahmenkante: Bei geringer Neigung staut sich Regenwasser am Rahmen und verdunstet dort. Zurück bleibt ein Schmutzrand, der die unterste Zellreihe verschatten kann.
  • Landwirtschaft: Stallstaub, Futter- und Erntereste verbinden sich unter Sonneneinstrahlung fest mit dem Glas. Regen, Schnee und Wind lösen solche Beläge laut DLG oft nicht mehr.
  • Bäume: Liegen gebliebenes Laub zählt zu den punktuellen Verschmutzungen. Gegen den Schatten der Krone selbst hilft keine Reinigung.
  • Vogelkot: Schon ein Fleck verschattet einen Teil der Zelle. Laut dem Hersteller LONGi kann eine solche Teilverschattung sogar Hotspots verursachen, also eine örtliche Überhitzung.

Rechnet sich die Reinigung für Ihre Anlage?

Das hängt von Ihren Zahlen ab, wie die LfL-Untersuchung zeigt. Ein Reinigungstermin kostete dort für beide Anlagen rund 2.000 Euro – etwa so viel, wie 8 Prozent Mehrertrag in einem ganzen Jahr einbrachten. Der Termin im Juli hat sich deshalb finanziell nicht gerechnet, der im August brachte sogar Verlust. Die LfL empfiehlt, im Mai zu reinigen, damit die Module über den ganzen Sommer sauber arbeiten.

Für Ihre eigene Rechnung brauchen Sie den Jahresertrag aus Wechselrichter oder Portal, eine vorsichtige Annahme für den Mehrertrag und den Wert einer Kilowattstunde – bei Einspeisung die Vergütung, bei Eigenverbrauch Ihr Strompreis. Ein Beispiel mit angenommenen Werten: 9.000 Kilowattstunden Jahresertrag und 3 Prozent Mehrertrag ergeben 270 Kilowattstunden. Deren Wert stellen Sie den Kosten gegenüber.

Der Ratgeber eines Energieversorgers nennt für Anlagen unter 10 kWp im Schnitt 150 bis 250 Euro, für größere Anlagen etwa 1,50 bis 3 Euro pro Quadratmeter. Ein anderer nennt 2 bis 3 Euro pro Quadratmeter, dazu kommt oft die Anfahrt. Das sind Richtwerte, teils netto und regional verschieden – verbindlich ist ein Angebot nach Besichtigung. Zugang, Dachform und nötige Absturzsicherung bestimmen den Aufwand.

Notieren Sie die Erträge vor und nach der Reinigung und vergleichen Sie Tage mit ähnlichem Wetter. So sehen Sie, ob sich der Termin gelohnt hat. In der LfL-Untersuchung schrumpfte der Vorteil in den Folgemonaten durch neue Verschmutzung um etwa einen halben Prozentpunkt.

Herstellervorgaben und Garantie

Die Pflegehinweise stehen in der Montage- oder Wartungsanleitung Ihres Moduls. Zwei Beispiele: REC lässt Hochdruckreiniger nicht zu, weil sie Druck über der zertifizierten Belastung ausüben und Wasser zwischen Glas und Rahmen drücken können. LONGi begrenzt den Wasserdruck auf der Moduloberfläche auf 0,7 Megapascal, also 7 bar, und schließt Scheuermittel, Säuren, Laugen und Dampf aus.

Bei REC erlischt sogar die Herstellergarantie, wenn Dampf- oder Hochdruckreiniger, Messer, Klingen oder metallhaltige Schwämme zum Einsatz kommen. Herstellergarantien sind freiwillig, ihre Bedingungen legen die Firmen weitgehend selbst fest. Klauseln, die Leistungen pauschal bei „Nachlässigkeit“ ausschließen, ohne das näher zu bestimmen, hält die Verbraucherzentrale allerdings für unzulässig. Lesen Sie deshalb vor der ersten Reinigung Ihre Garantieunterlagen. Das ist ein allgemeiner Hinweis, keine Rechtsberatung – maßgeblich sind die Bedingungen Ihres Herstellers.

Entmineralisiertes Wasser statt Chemie und Hochdruck

REC nennt entmineralisiertes Wasser ausdrücklich als ideal, Regen- oder Leitungswasser nur als Ersatz. LONGi erklärt, warum hartes Wasser stört: Seine Mineralien lagern sich bei wiederholter Reinigung auf dem Glas ab und lassen mit der Zeit weniger Licht durch. Entmineralisiertes Wasser, etwa aus einer Osmoseanlage, enthält diese Salze nicht. Reinigungsmittel sehen die Hersteller nur vor, wenn Wasser nicht reicht, und dann mit gründlichem Nachspülen.

Gereinigt wird morgens oder bei bedecktem Himmel, solange die Module kühl sind. LONGi nennt höchstens 10 °C Unterschied zwischen Wasser und Modul und rät davon ab, unter 5 °C Außentemperatur zu reinigen.

  • Geeignet: weiche Bürsten, Schwämme, Mikrofaser und reichlich Wasser
  • Ungeeignet: Hochdruckreiniger, Scheuermittel, Klingen, metallhaltige Schwämme, Säuren, Laugen und Dampf
  • Tabu: auf den Modulen stehen, knien oder sich abstützen

Selbst reinigen oder Fachbetrieb?

Selbst reinigen ist vertretbar, wenn Sie die Module sicher vom Boden aus erreichen – etwa auf einem niedrigen Carport mit einer Teleskopstange. Steigen Sie dafür nicht auf das Dach. Es gelten die Regeln oben: Wasser, weiche Bürste, kein Druck, kühle Module.

Auf Steil- und Hallendächern sieht das anders aus. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau meldet für 2024 allein in ihrem Bereich 68 Abstürze bei Dacharbeiten, drei davon tödlich. Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.1 führt die Reinigung von Photovoltaikanlagen ausdrücklich als Arbeit auf Dächern auf. Für Beschäftigte besteht danach schon bei mehr als 1 Meter Absturzhöhe eine Absturzgefährdung, gegen die Schutzmaßnahmen zu treffen sind. Als möglicherweise nicht durchtrittsicher nennt die Regel unter anderem Faserzement-Wellplatten, Lichtplatten, lichtdurchlässige Kunststoffdächer und Photovoltaikelemente. Wie tief es darunter geht, sieht man von oben nicht.

Dazu kommt die Elektrik. Module erzeugen auch bei bedecktem Himmel Spannung. Anlagen mit gesprungenem Glas oder offen liegenden Kabeln sollen laut LONGi nicht gereinigt werden. Und eine Reinigung ersetzt keine elektrische Prüfung: Die Verbraucherzentrale empfiehlt, spätestens alle fünf Jahre Sicherheit und Funktion von einer Fachperson prüfen zu lassen.

Fazit

Nicht jede Anlage braucht eine Reinigung. Ein steiles Wohnhausdach ohne Bäume und Landwirtschaft in der Nähe kommt oft mit dem Regen aus. Flache Neigung, Stall, Feld, Bäume oder Vögel ändern das Bild. Beobachten Sie Ihre Erträge, schauen Sie sich die untere Modulkante vom Boden oder Dachfenster aus an und rechnen Sie nach.

Wenn Sie eine Einschätzung vor Ort möchten, schaut sich die Gebäudereinigung Dirk Linden e.K. Ihre Anlage an. Der Fachbetrieb aus Niederkrüchten reinigt Photovoltaikanlagen von Mönchengladbach und Viersen bis Heinsberg mit entmineralisiertem Wasser und ohne die Module zu betreten.

Häufige Fragen

Kommt meine Anlage auch ohne Reinigung aus?

+

Bei ausreichend geneigten Dächern in ruhiger Lage oft ja. Das DLR rechnet für Deutschland trotz Regen im Schnitt mit rund 2 Prozent Verlust. Regen spült losen Staub ab. Festsitzende Beläge, Vogelkot und den Schmutzrand an der unteren Modulkante löst er oft nicht – vor allem bei flacher Neigung und Staub aus der Landwirtschaft.

Zu welcher Jahreszeit sollte gereinigt werden?

+

Im Frühjahr, bevor die ertragreichen Monate beginnen. Die LfL empfiehlt für landwirtschaftliche Anlagen den Mai, wenn Staub von der Heuernte und Pollen auf den Modulen liegen. Am Tag selbst wird morgens oder bei bedecktem Himmel gereinigt, solange die Module kühl sind.

Darf ich einen Hochdruckreiniger benutzen?

+

Davon ist abzuraten. REC lässt Hochdruckgeräte nicht zu, bei Verstoß erlischt dort die Herstellergarantie. LONGi begrenzt den Wasserdruck auf der Moduloberfläche auf 7 bar. Maßgeblich ist die Anleitung Ihres Modulherstellers.

Wie oft sollte gereinigt werden?

+

Eine feste Regel gibt es nicht, die Empfehlungen gehen weit auseinander. Ein Energieversorger nennt in seinem Ratgeber für stark belastete Standorte eine jährliche Reinigung, sonst alle zwei bis drei Jahre. Ein anderer hält bei typischen Anlagen auf Einfamilienhäusern alle fünf Jahre für ausreichend. Laut Verbraucherzentrale kann nach zehn Jahren eine professionelle Reinigung sinnvoll sein. Aussagekräftiger als jeder Kalender sind Ihre Ertragsdaten und der Blick vom Boden auf die untere Modulkante.

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